Simply The Best

Er ist Deutschlands bester Dachdecker: Arvid Speßhardt aus Hagenow entschied sich kurz vor dem Abitur für einen Ausbildungsberuf. Er hat es nicht bereut.

Kein Dach ist vor ihm sicher: Ex-Gymnasiast Arvid Speßhardt wurde 2013 Deutschlands bester Dachdecker. 2014 wurde er Vizeweltmeister/ Fotos: Privat
Kein Dach ist vor ihm sicher: Ex-Gymnasiast Arvid Speßhardt wurde 2013 Deutschlands bester Dachdecker. 2014 wurde er Vizeweltmeister/ Fotos: Privat

Es war die zwölfte Klasse, es waren nur noch ein paar Monate, doch Arvid Speßhardt zog die Reißleine. Kein Abi, kein Studium, sondern die klassische Handwerkslehre wurde sein Ziel – Dachdecker wollte er werden und fing eine Lehre an.
Nun ist er ausgebildeter Dachdecker und der beste dazu. Im November 2013 wurde der 21-Jährige bei der Deutschen Meisterschaft zum Dachdecker des Jahres gewählt. Damit ist er der erste Mecklenburger überhaupt, der sich mit diesem Titel schmücken darf. Seine Meisterstücke: „Eine deutsch eingebundene Biberkehle in Doppeldeckung (eine kompliziert aufgebaute Dachkehle, die Redaktion) musste ich als Hauptarbeitsprobe abliefern, als Gegenarbeitsprobe ein Walmdach in altdeutscher Schieferdeckung (Dachform mit geneigten Dachflächen auf der Giebelseite, die Redaktion) herstellen und einen Leiterhacken einbringen“, erzählt Arvid Speßhardt. Dem Wettbewerb folgte im Dezember die Krönung: Der Bundespräsident überreichte ihm und 120 weiteren Spitzen-Nachwuchshandwerkern in Dortmund im Rahmen des Leistungswettbewerbes Handwerksjugend 2013 die Auszeichnungen. „Ich bin stolz auf Sie!“, sagte Joachim Gauck bei der Verleihung der Urkunden.
Zum Handwerk fand der Ex-Gymnasiast durch viele Praktika und Wochenend-Jobs während der Schulzeit. Das macht ihm mehr Spaß als das Büffeln auf der Schulbank. Er versuchte sich mal als Elektriker, mal als Marmor-Verleger. Hängen blieb er beim Dachdecken: „Mir gefiel es, in der Höhe zu arbeiten. Und dann die vielen Materialien, mit denen man es zu tun hat: Holz, Beton, alles, was man so aufs Dach packen kann“, sagt der frisch zugelassene Geselle der Dachdeckerei & Zimmerei Benzien in Hagenow.
Die Ausbildungszeit hat Arvid Speßhardt nie als Last, sondern immer als Herausforderung und Ansporn empfunden. Dass die praktische Ausbildung im Betrieb und der Berufsschulunterricht immer blockweise folgten – fünf Wochen Betrieb in Hagenow, drei Wochen Schule in Schwerin –, fand er gut: „Das ist auf jeden Fall besser als drei Tage Praxis, zwei Tage Berufsschule pro Woche. So kann man durchgehend an einer Baustelle sein und wird nicht dauernd aus seiner Arbeit rausgerissen.“
Seinen Entschluss, Abi und Studium sausen zu lassen, hat er bisher keine Minute bereut. Denn am Ende des Tages zu sehen, was man geschafft hat, gebe ihm jedes Mal ein gutes Gefühl. Und auch wenn sein Gehalt noch nicht in den Himmel wächst, er komme über die Runden, und was noch nicht ist, könne ja noch werden …
Im November wird Arvid Speßhardt bei der Dachdecker-Berufsweltmeisterschaft, die 2014 in Bukarest stattfindet, die deutschen Farben vertreten. Ganz professionell bereiten sich dabei die deutschen Teilnehmer in einer Art Trainingslager vor. Zwei Wochen werden sie im Bundesbildungszentrum der Dachdecker die ganze Klaviatur des Dachdeckens noch mal verfeinern.
Die WM ist für den Hagenower eine große Herausforderung und natürlich ein großartiges Ereignis. Wichtiger ist ihm aber die Meisterausbildung, die er im Herbst beginnen will. Und dann geht es weniger um handwerkliches Können, sondern mehr um betriebswirtschaftliches Wissen. Denn mit dem Meisterbrief kann sich Arvid seinen Berufstraum schon in jungen Jahren erfüllen: die Selbstständigkeit als Handwerksmeister, die Gründung der eigenen Dachdecker-Firma.

(Beitrag aus "klasse" - dem Schulmagazin für Mecklenburg-Vorpommern.)

Nachdem Arvid Speßhardt Bundessieger 2013 Bundessieger im Dachdecker-handwerk wurde, trägt er nun auch noch den Titel des Vizeweltmeisters. 30 Teams aus 20 Nationen haben sich im November 2014 in Rumänien in drei Disziplinen gemessen. Arvid Speßhardt, der mit Jakob Richter aus Schleswig-Holstein ein Team im Steildach-Wettbewerb bildete, musste sich lediglich der Konkurrenz aus Österreich geschlagen geben.
„Es war schon eine tolle Erfahrung, sich mit Kollegen aus so vielen anderen Ländern vergleichen zu können“, sagt Speßhardt. Die Weltmeisterschaft in seinem Gewerk findet alle zwei Jahre statt. Aus jedem Jahr nehmen immer der erste und der zweite Bundessieger teil.
(Handwerkskammer Schwerin)

Durchstarten in MV_270_110

„Handwerk hat goldenen Boden“:
Dieser alte Werbespruch ist heute aktueller denn je. Denn das Handwerk sucht händeringend nach Nachwuchs, überall – auch in Mecklenburg-Vorpommern – sind Ausbildungsplatzangebote nicht mehr so rar wie noch vor ein paar Jahren, sondern breit gestreut. Auch die kleinen und mittelständischen Betriebe bieten wieder vermehrt Lehrstellen an und damit vielfältige Möglichkeiten und Chancen, alternativ zum Studium seinen Traumberuf zu finden.
Dass das Handwerk in Deutschland einen goldenen Boden hat, verdankt es auch unserem dualen Ausbildungssystem in Lehre und Berufsschule. Als Partner der Ausbildungsbetriebe sorgt dabei die Schule für die berufliche Grund- und Fachausbildung der Lehrlinge. Der Unterricht erfolgt mit durchschnittlich zwölf Wochenstunden in den berufsübergreifenden Fächern Deutsch, Sozialkunde, Religion oder Philosophie, Sport und berufsbezogenen Lernfeldern einschließlich fachbezogenem Englisch. Mit Berufsfachschule, Höherer Berufsfachschule, Fachgymnasium, Fachoberschule und Fachschule gibt es jede Menge Möglichkeiten, die Ausbildung zu vertiefen und die Qualifikationen zu erhöhen. Und am Ende kann dann das Hochschulstudium stehen. Denn auch das zeichnet das deutsche Bildungssystem aus: Viele Wege führen zum Traumberuf.
Dieser weltweit einzigartigen beruflichen Ausbildung verdankt Deutschland seine hohe Handwerks- und Facharbeiterqualität, die in England, Frankreich oder den USA zum Vorbild bei den aktuellen Reformen genommen wird