Inklusion

Was ist Inklusion?

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Inklusion bedeutet, alle Menschen  gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen. Sie sollen unabhängig von ihren individuellen Fähigkeiten, ihrer ethischen und sozialen Herkunft sowie von Geschlecht und Alter an den verschiedenen Lebensbereichen teilnehmen können. Im Gegensatz zur Integration, bei der ein Mensch in ein bereits bestehendes System eingebunden wird,  geht Inklusion von einem gemeinsamen Leben von Anfang an aus. So sollten etwa Schüler/innen mit und ohne Behinderung, leistungsstarke und lernschwache Kinder von Anfang an eine gemeinsame Gruppe in einer Kindertageseinrichtung bzw. eine gemeinsame Schulklasse besuchen und voneinander lernen. Seit Deutschland die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen ratifiziert hat, sollen alle Bundesländer ihre Bildungssysteme so gestalten, dass eine chancengleiche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen möglich ist.

Auf dem Weg zur Inklusion in Mecklenburg-Vorpommern

Schulfrieden für  Inklusion

In Mecklenburg-Vorpommern sollen perspektivisch so viele Kinder wie möglich an allgemein bildenden Schulen unterrichtet werden. Die Landesregierung bekennt sich damit zur UN-Behindertenrechtskonvention. SPD und CDU haben im Koalitionsvertrag vereinbart, ein schlüssiges Gesamtkonzept zum Thema „Inklusion an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2020" zu erarbeiten. Das Vorhaben, ein inklusives Bildungssystem zu entwickeln, stellt das Land vor große Herausforderungen.

Am 21. April 2016 stimmt der Landtag Mecklenburg-Vorpommern der „Strategie des Landes zur Umsetzung der Inklusion im Bildungssystem in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2023" zu, die in umfangreichen Abstimmungen innerhalb der Landesregierung und mit den Fraktionen von SPD, CDU und DIE LINKE ausgehandelt worden war.

Inklusives Bildungssystem bis 2023

Eine Expertenkommission „Inklusion" hat darüber hinaus Vorschläge für ein Langzeitkonzept entwickelt, wie die Beschulung von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf in Regelschulen schrittweise umgesetzt werden kann. Das Gremium hat Empfehlungen zur Entwicklung eines inklusiven Bildungssystems in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Perspektive bis zum Jahr 2023 erarbeitet. Den Vorsitz der Expertenkommission hatte die Inklusionsbevollmächtigte Prof. Dr. Katja Koch. Zu den Mitgliedern der Expertenkommission gehörten Schulleiter, Wissenschaftler, Landespolitiker, Vertreter von Sozialverbänden, des Städte- und Gemeindetages sowie des Landkreistages. Eine Begleitgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern von Gewerkschaften und Verbänden, Eltern und Schülervertretungen sowie anderer Einrichtungen hat die Arbeit des Gremiums kritisch begleitet.

Inklusionskongresse in Mecklenburg-Vorpommern

Auf Initiative des Bildungsministeriums wird in Mecklenburg-Vorpommern eine breit angelegte Debatte über die Inklusion geführt. So fand am 4. Mai 2012 der erste Inklusionskongress an der Universität Rostock statt. Die Veranstaltung stieß schon im Vorfeld auf großes Interesse. Über 800 Lehrkräfte, Eltern, Gewerkschafter, Verbandsvertreter, Wissenschaftler und weitere Interessierte hatten sich angemeldet.  Der Platz  im Audimax  machte eine Beschränkung auf 500 Personen notwendig.

Ein weiterer Kongress folgte am 24. November 2012. Auch auf dieser Veranstaltung stand das Grundthema von Inklusion, nämlich Heterogenität und Vielfalt, im Mittelpunkt. 

Beim dritten Inklusionskongress am 4. Mai 2013 in Rostock haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung über die rechtlichen Anforderungen an die Inklusion und über den Bericht der Expertenkommission diskutiert.

Der vierte Inklusionskongress am 12. März 2016 in Wismar galt der "Strategie der Landesregierung zur Umsetzung der Inklusion im Bildungssystem in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2023", über die der Landtag am 21. April 2016 abschließend entschieden hat.

Zum Herunterladen: Strategie der Landesregierung zur Umsetzung der Inklusion im Bildungssystem in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2023

Studie über Rügener Schulversuch zur Inklusion

Aktuelle wissenschaftliche Auswertung belegt Erfolg des Projektes

Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit besonderem und ohne besonderen Förderbedarf ist erfolgreich. Das geht aus dem abschließenden Forschungsbericht zum Rügener Inklusionsmodell hervor, den Prof. Dr. Bodo Hartke von der Universität Rostock und sein Forschungsteam am 17. Juni 2015 in Schwerin offiziell vorgestellt haben.

Die Daten der Rostocker Forschungsgruppe belegen eine positive Wirksamkeit von gemeinsamem Unterricht von Kindern mit besonderem und ohne besonderen Förderbedarf:

  • In der Gruppe der Kinder mit einem hohen Förderbedarf sind positive Effekte im Bereich Lernen, tendenziell positive Effekte im Bereich emotional-soziale Entwicklung und im Bereich Sprache gleichwertige Fördererfolge wie in bisherigen Beschulungsformen zu verzeichnen, was z. B. beinhaltet, dass lernschwache Kinder auf Rügen bereits nach drei Schuljahren die Schulleistungen erreichen, die vergleichbare Kinder in anderen Regionen erst nach vier Jahren erzielen.
  • Die Häufigkeit von sonderpädagogischem Förderbedarf ist auf Rügen deutlich geringer als in der Kontrollgruppe (3,7 % Rügen versus 11,4 % Kontrollgruppe), d. h. das inklusive Rügener Beschulungskonzept beugt sonderpädagogischem Förderbedarf in den Förderschwerpunkten Lernen, emotional-soziale Entwicklung und Sprache vor.
  • Negative Effekte von Inklusion auf die Schulleistungen und Entwicklungsstände der Gruppe der Mitschüler sind auszuschließen, wogegen positive Effekte im Bereich emotional-soziale Entwicklung für die Gesamtgruppe aller Schülerinnen und Schüler vorliegen (die Gruppe der Schülerinnen und Schüler auf Rügen zeigt besonders niedrige Werte im Bereich „Verhaltensauffälligkeit“, aber hohe Werte im Bereich „Prosoziales Verhalten“).
  • Die Akzeptanz von Inklusion ist bei den beteiligten Pädagoginnen und Pädagogen sowie Eltern hoch, wobei sie bei Grundschullehrkräften etwas geringer ausgeprägt ist als bei Schulleiterinnen und -leitern und Sonderpädagoginnen und -pädagogen. Letztere sind zu 100 % Befürworter bzw. Befürworterinnen von Inklusion. 

Die auf Rügen ermittelten Ergebnisse entsprechen im Wesentlichen dem gegenwärtigen Forschungsstand über die Effekte gemeinsamer Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen in den Bereichen Lernen, emotional-soziale Entwicklung oder Sprache.

Rügener Inklusionsmodell - Universität Rostock

Lehrerfortbildung zur Inklusion

Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer werden im Umgang mit der Inklusion besser qualifiziert. Im April 2013 hat in Güstrow mit einer zentralen Auftaktveranstaltung die Fortbildungsreihe  "Auf dem Weg zur inklusiven Grundschule" begonnen.

Die Kurse umfassen insgesamt 120 Stunden und verteilen sich über eine Dauer von zwei Jahren. Nach ersten  Veranstaltungen für Schulleiterinnen und Schulleiter schließen sich Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer an. Das Institut für Qualitätsentwicklung M-V (IQ M-V) führt die Fortbildungen durch.

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur finanziert das Fortbildungsangebot 2013 mit ca. 175.000 Euro. Im Jahr 2014 ist mehr als eine viertel Million Euro vorgesehen. Das Fortbildungsprogramm soll später auch für die Lehrkräfte der weiterführenden Schularten angeboten werden.

Seit dem Schuljahr 2010/2011 nehmen Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen in den Jahrgangsstufen 1 und 2 an den Grundschulen des Landes am gemeinsamen Unterricht der Regelklasse bzw. in Diagnoseförderklassen teil.

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Die Serivcestelle für Inklusion ist Beratungsstelle für

  • Ratsuchende bei Fragen zum Thema Inklusion
  • Erziehungsberechtigte von Kindern mit Behinderungen und sonderpädago-gischem Förderbedarf
  • Lehrkräfte, Schulleitungen und pädagogisches Fachpersonal aller Schularten

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Der "Jakob Muth-Preis für inklusive Schule" zeichnet Schulen aus, denen es in vorbildlicher Weise gelingt, dass alle Kinder gemeinsam lernen.